Speuzers Kapitän Puglisi: “Die Team-Chemie stimmt”
Kreisoberliga Frankfurt: 23 Jahre im selben Verein
Mittlerweile spielen die Speuzer schon ihre zwölfte Kreisoberliga-Saison. Der Einzige Spieler, der schon beim Aufstieg aus der A-Klasse 2005 mit dabei war, ist Kapitän Francesco Puglisi (29). Der Innenverteidiger spielt bereits seit 1994 für seinen Verein im Frankfurter Gallus und befindet sich mit der Mannschaft in einer optimalen Position, um den Aufstieg perfekt zu machen. Mit uns sprach Puglisi unter anderem über den Aufschwung der aktuellen Saison und die Beziehung der Mannschaft zu Trainer Mehmet Somun.
Nach einer ordentlichen Saison 2015/16 standet ihr auf dem sechsten Platz. Was hat sich im Sommer bei euch getan und mit welchen Zielen seid ihr in die aktuelle Saison gegangen?
Franco Puglisi: „Wir haben in der letzten Saison eine Rückrundenserie mit sechs Siegen in Folge gestartet und waren für kurze Zeit an den Aufstiegsplätzen dran. Doch danach haben wir Federn lassen und waren nie mehr wirklich im Rennen. Unser Ziel im Sommer war ein Platz unter den Top-Sechs, so haben wir aus auch vorbereitet. Wir haben uns an Systemen orientiert, die wir spielen wollten. Wir haben im Sommer unter anderem Zafer Sancak für das Mittelfeld und Okan Ilkiz, unseren aktuellen Top-Scorer dazugeholt. Damit haben wir große Baustellen im Team geschlossen. Mit unserem Außenverteidiger Halit Kendigül ist ein weiteres wichtiges Puzzelteil zurückgekommen.“
In den vergangen 10 Jahren standet ihr meistens im oberen Mittelfeld, zu mehr hat es nie gereicht. Was ist in dieser Saison anders?
Puglisi: „Die Team-Chemie stimmt. Das hatten wir in der Vergangenheit nie zu 100 Prozent, aber jetzt passt es. Jeder kennt seinen Job, von der Nummer 1 bis zur 18 ziehen alle an einem Strang. Keiner ist beleidigt, wenn er mal mehrere Spiele nicht spielt. Wir haben bei uns keinen, der schlechte Stimmung macht.“
Mit Okan Ilkiz (22 Tore) und Robert Kohns (12 Tore) stellt ihr zwei der Top-Torjäger der Liga. Wie wichtig sind beide für den Aufschwung der Mannschaft?
Puglisi: „Sie sind genauso wichtig, wie alle Anderen auch. Beide haben neun andere Spieler um sich herum, die wir für jedes Spiel brauchen. Beide haben aber natürlich besondere Leistungen gebracht. Robert ist wohl noch stärker, als es seine Tore aussagen, denn er leitet viele Treffer mit ein.“
Mit 19 Gegentoren in 19 Spielen stellt ihr die beste Abwehr der Liga. Sechs mal zu Null gespielt, nur einmal mehr als zwei Gegentore kassiert – seid ihr individuell so gut besetzt oder werdet ihr einfach perfekt eingestellt?
Puglisi: „Wir sind systematisch gut. Individuell sind wir nicht anders besetzt, als letztes Jahr, aber wir spielen es einfach besser. Schon im Mittelfeld haben wir mehr gewonnene Zweikämpfe, das zieht die ganze Mannschaft hoch. Unser Torwart Tomo Toumpas hat auch einen Schuss nach oben gemacht und uns mehrfach die Punkte geholt. Gegen Weiß-Blau zum Beispiel hat er uns im Alleingang den Sieg gerettet.“
Im Sommer war euer Ziel ein Platz unter den ersten Sechs. Habt ihr eure Saisonziele nach der guten Hinrunde nach oben korrigiert?
Puglisi: „Wir haben nicht darüber gesprochen, aber wir wollen natürlich dort oben blieben. Fünf Punkte Vorsprung klingt viel, aber die können auch schnell wieder weg sein. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken, die Rückrunde wird kein Selbstläufer. Die anderen Mannschaften warten nur darauf, dass wir Punkte liegen lassen.“
Im Winter habt ihr gegen mehre Gruppenliga-Teams getestet. Wie siehst du eure Mannschaft im Vergleich zu den höherklassigen Mannschaften? Seid ihr bereit für den nächsten Schritt Gruppenliga?
Puglisi: „Ich glaube nicht, dass wir in der Gruppenliga eine ähnliche Saison wie die aktuelle spielen und auf Platz eins stehen würden. Aber ich denke, dass wir dort gut mithalten könnten. Die Gruppeliga-Gegner aus der Vorbereitung waren aus dem Taunus- und Wiesbadener Raum. Dass die Gruppenliga dort nicht so gut ist, wie die Gruppenligen in Frankfurt, ist denke ich kein Geheimnis. Das kann man nicht als Maßstab nehmen.“
In den ersten beiden Spielen geht es Gegen Griesheim Tarik und die SG Westend – zwei robuste und selbstbewusste Mannschaften, gegen die ihr in der Hinrunde Remis gespielt habt. Was müsst ihr tun um gut in die Rückrunde zu starten?
Puglisi: „Wir haben im Winter an unseren Defiziten gearbeitet und sind top eingestellt. Mit Westend beschäftigen wir uns erst nächste Woche, aber für Griesheim haben wir uns natürlich etwas überlegt und gehen nicht ohne Matchplan ins Spiel.“
Wie ist eure Beziehung zum Trainer Mehmet Somun? Wie geht er mit der Mannschaft um und was erwartet er auch von dir als Kapitän?
Puglisi: „Der Trainer kann sehr bewusst seine Worte wählen. Er trifft den richtigen Ton, er weiß, wann wir Feuer brauchen, er weiß, wann wir Korrekturen brauchen und er weiß, wo er ansetzen muss. Er ist auch in der Lage, im Spiel unser System umzustellen, er agiert da sehr schnell. Trotzdem lässt er vorallem den Offensivleuten ihren kreativen Freiraum, das macht er gut. Wir wissen immer, was wir zu tun haben. Ich bin auf dem Platz sein linker Arm. Ich verteile, was er mir zusteckt und unterstütze ihn, wo ich kann. Ich verstehe mich auch neben dem Platz gut mit ihm, das gilt aber für die ganze Mannschaft.“
Neben deiner Spielerlaufbahn machst du parallel deine B-Lizenz zum Trainer. Wie siehst du deine fußballerische Zukunft, kannst du dir vorstellen eine Senioren- oder Jugendmannschaft zu trainieren?
Puglisi: „Wie lange ich noch spiele, weiß ich nicht. Ich werde im März 30, so lange mache ich also auch nicht mehr. Wohin es danach geht, weiß ich nicht. Ich mache meine B-Lizenz jedenfalls nicht, um auf der Coach zu sitzen und die Bundesliga-Spiele besser analysieren zu können. Ich habe schon vor, mich neben den Platz zu stellen um eine Mannschaft weiterzubringen.“
Autor: Sean Lynch

