Sportfreunde krönen sich nach Gala-Saison zum Meister
Kreisoberliga Frankfurt: Gruppenliga-Aufstieg steht vorzeitig fest
Der Erfolgstrainer: Mehmet Tunay Somun führte den FFV Sportfreunde innerhalb von nur zwei Jahren zum Aufstieg. Foto: Jörg Schulz.
Ungewöhnlich war es allemal, dass die im Volksmund nur "Speuzer" genannten Fußballer, während des eigenen Trainings zum Meister gekürt wurden. Da gleichzeitig am Kalbacher Hopfenbrunnen das Nachholspiel zwischen dem FC Kalbach II und dem Zweitplatzierten FV Hausen über die Bühne ging, hatte die Mannschaft von Trainer Mehmet Tunay Somun schon eine Vorahnung. Denn würde der Verfolger das Spiel verlieren, könnten die Lila-Weißen nur noch auf 70 Punkte kommen, mit denen die Sportfreunde aktuell das Klassement anführen. Und so kam es dann auch. Mit sage und schreibe 8:2 fegte die Verbandsliga-Reserve die Hausener vom Platz.
Aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs (3:1/0:1) sind die Speuzer nun auch rechnerisch nicht mehr von Platz eins zu verdrängen. Der Sportliche Leiter Udo Felder war im Frankfurter Norden vor Ort, schaute das Spiel aber nicht zu Ende. Zu deutlich war die Überlegenheit der Kalbacher gegen den Aufstiegsanwärter. "Beim Training haben wir die Zwischenergebnisse natürlich mitbekommen. Wir haben es danach aber ruhig angehen lassen und waren noch gemeinsam in einer Shisha-Bar", erzählt Somun vom gestrigen Abend, an dem es keine spontane Aufstiegsfeier gab. Dass die Mannschaft nun vier Spieltage vor Saisonende als Meister feststeht, das "hätte keiner für möglich gehalten. Wir haben aber auf jeden Fall eine überragende Saison gespielt", lobt der Coach.
Ilkiz brachte Hessenliga-Erfahrung mit
Dass die Sportfreunde nach etlichen Jahren im grauen Mittelfeld zum ganz großen Sprung ansetzen wollten, war den Experten vor der Saison schon bewusst gewesen. Somun hatte seit seinem Amtsantritt im Sommer 2015 akribisch gearbeitet und das Team von der Mainzer Landstraße durch starke 32 Punkte in der Rückrunde noch auf Rang sechs geführt. Mit Okan Ilkiz und Zafer Sancak wurde die gut funktionierende Mannschaft noch mit Akteuren verstärkt, die höherklassige Erfahrungen einbringen konnten. Gerade Torjäger Ilkiz, vor zwei Jahren noch in der Hessenliga bei Oberrad unter Trainer Mustafa Fil aktiv, schlug voll ein und erzielte bis dato 35 Tore.
In der offiziellen Torjägerliste werden dem Stürmer aber nur 33 Tore angerechnet, da seine beiden Treffer aus dem abgebrochenen Spiel gegen Makkabi nicht gewertet wurden, weil die Partie am grünen Tisch mit 3:0 für die Speuzer gewertet wurde. Somun schaut rückblickend auf den Saisonstart und erinnert sich, dass es zu Beginn nicht immer nach Wunsch lief: "Wir hatten im Sommer viele Urlauber, der Kader war zu Saisonbeginn nicht komplett. Erst ab September hat sich die Mannschaft herauskristallisiert. Dennoch haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt".
Bequemes Polster
Die Speuzer blieben mit 13 Siegen und drei Remis in der ersten Halbserie ungeschlagen, erst im ersten Rückrundenspiel mussten sich die Sportfreunde in Hausen mit 0:1 geschlagen geben. "Mit Adem Brajanac und Torhüter Admir Osmanbasic haben wir den Kader im Winter verstärkt. Nachdem der Start nach der Winterpause gelang und wir bei der SG Westend einen Last-Minute-Sieg holten, habe ich mich ernsthaft mit dem Thema Meisterschaft beschäftigt", erzählt Somun. Durch den großen Vorsprung und das bequeme Polster habe sich sein Team vielleicht schon in Sicherheit gefühlt. "Die Gegner haben gegen uns noch ein paar Prozent mehr raus gehauen und bei uns sind deshalb auch ein paar Prozentpunkte verloren gegangen", glaubt Somun.
Die 3:4-Niederlage bei Makkabi, das 4:4 in Fechenheim sowie der zwischenzeitliche 1:2-Rückstand im Heimspiel gegen Weiss-Blau (4:2), brachten die Sportfreunde nicht mehr von ihrem Aufstiegsweg ab. Dass der Spitzenreiter es jetzt ruhiger angehen lässt und damit in den letzten vier Spielen Punkte abschenkt, das glaubt Somun nicht: "Wir wollen noch so viele Punkte wie möglich holen und mit der gleichen Ernsthaftigkeit weiter machen. Wir arbeiten jetzt schon dagegen, dass womöglich die Spannung verloren geht. Vielleicht knacken wir auch die 100-Tore-Marke".
"Haben uns mit dem Aufstieg belohnt"
Aktuell liegen die Speuzer bei 91 Toren, neun Tore in vier Spielen sind absolut realistisch für den Tabellenführer. Auch ein neuer Punkterekord sei erstrebenswert, denn "wir wollen eine Marke hinterlassen", so Somun. Die Vorfreude auf die Derbys in der Gruppenliga gegen Bosnien und Griesheim, falls diese die Klasse halten, ist an der Mainzer Landstraße schon groß: "In der neuen Liga wollen wir uns beweisen und etablieren. Wir haben hart dafür gearbeitet und uns nun mit dem Aufstieg belohnt", sagt Somun. Kapitän Francesco Puglisi spielt seit 1994 im Verein und hat seit der Jugend die komplette Laufbahn in seinem Verein gespielt. "Es war ein langer Weg. Hinter uns liegen viele schwere Jahre. So frühzeitig hätten wir das nicht erwartet. Okan Ilkiz war natürlich mit seinen 33 Toren wichtig. Aber alle haben ihren Beitrag dazu geleistet. Ismail Amami hat wenig gespielt, ist aber ein Trainingsweltmeister. Jetzt sind wir gespannt auf die neue Liga, auf die Derbys gegen Griesheim und neue Schauplätze im Taunus und in der Wetterau", äußert sich der Kapitän zum Aufstieg.
Somun lobt seinen Captain als "meine rechte Hand. Er ist mein verlängerter Arm auf dem Platz und unterstützt mich in der Spielvorbereitung. Mit seiner fußballerischen Erfahrung war Okan Ilkiz die wichtigste Verpflichtung, aber auch Robert Kohns als Scorer-König hat viele Tore aufgelegt", resümiert Somun den Riesenerfolg seiner Truppe mit dem Quantensprung in die Gruppenliga Frankfurt West.

