Starker Kaiser, abgebrühter Sternstein

Verbandsliga: Lehnerz II entscheidet Verfolgerduell

25. April 2018, 20:10 Uhr

Benedikt Kaiser war in Johannesbergs stärkster Phase der Turm in der Schlacht. Foto: Charlie Rolff

Viele Gewinner gab es am Mittwochabend in der Verbandsliga, obwohl nur ein Spiel stattfand. Spitzenreiter Hünfeld zum Beispiel, der weiterhin fünf Punkte voraus ist. Oder Sand oder CSC Kassel oder Adler Weidenhausen. Alles Teams die weiterhin mindestens von Platz zwei träumen dürfen. Grund: Lehnerz II hat das Verfolgerduell gegen die SG Johannesberg mit 2:0 (1:0) für sich entscheiden können und spricht nun selbst ein gewaltiges Wörtchen um die Fleischtöpfe mit.

Die Personalien vorweg: Bei Johannesberg spielte Osman Özlük an alter Stelle für den sonntäglichen Dreifachtorschützen Witali Bese, der beruflich eingespannt erst nach Anpfiff in Lehnerz aufschlagen konnte. Ansonsten stand die siegreiche Elf von Sonntag (4:3 in Dörnberg) am Platz. Auf der Gegenseite mussten vier Spieler weichen: Der verletzte Keeper Christoph Grösch sowie Lukas Hildenbrand, Robin Sorg und Natnael Weldetnsae – für das Quartett kam aber nicht die von Johannesberg zuvor befürchtete Armada "von oben", vielmehr waren lediglich Antonio Bravo Sanchez und Keeper Benedikt Kaiser aus dem angeschlagenen Hessenliga-Kader dabei.

Doch dass auch die reine "Reserve" richtig gut kicken kann, stellt sie seit Wochen unter Beweis und so verwunderte es auch nicht, dass sie sofort das Zepter in die Hand nahm. Lehnerz II versuchte mit gefälligem Kombinationsspiel das Spiel in die Breite zu ziehen und an sich zu reißen, die meist tiefstehenden Gäste hingegen über schnelles, vertikales Spiel zum Erfolg zu kommen. Doch alle drei klaren Torchancen des ersten Durchgangs entsprangen Standards.

Zum Ärgernis Johannesbergs, die beiden des Gegners aus simplen Einwürfen auf der linken Seite. Erst bediente Bravo Sanchez Daniel Heil, der für Jan-Henrik Wolf auflegte. Und wieder machte der Goalgetter mit dem Riesenlauf (fast) alles richtig, aber Mitja Hofacker bekam beim Abschluss gegen seine Laufrichtung tatsächlich noch eine Hand an das Leder. Stark vom Johannesberger Schlussmann (19.). Doch acht Minuten später war er ohne Chance, als Heil einwarf, Wolf nicht energisch gestört wurde und Kaan Say aus 18 Metern per toller Direktabnahme traf. Özlük war es auf der Gegenseite, der per verdecktem Schuss scheiterte (45.+1).

Kaiser muss seine Vorderleute retten

Mit dem Rückstand in den Klamotten musste Johannesberg das eigene Spiel ein Stück weit verändern und das tat der Tabellenzweite auch, der fortan etwas weiter vorne verteidigte, mehr Ballbesitz wollte und auch zu Ausgleichschancen kam. Doch Kaiser hatte einen guten Tag erwischt, streckte sich bei Özlüks Schuss klasse (55.), war gegen Mihai Moises Kopfball blitzschnell unten (71.) und war bei Anton Balz' etwas zu zentralem Schuss gerade so richtig auf Betriebstemperatur (73.). Auch der eingewechselte Bese hatte mit einem Pfostentreffer Pech (70.).

Jeglichen Bemühungen zog allerdings Christoph Sternstein den Stecker, der nach Leon Wittkes Steckpass eiskalt ins lange Eck traf, den Deckel auf einen unterm Strich verdienten Erfolg machte. Denn nicht verschwiegen werden darf die Lehnerzer-Dreifachchance, an deren Ende Maximilian Balzer per Kopf scheiterte und das Spiel schon früher klarer hätte verlaufen können (62.).

Johannesbergs Trainer Jochen Maikranz machte für die Niederlage zwei Sachen verantwortlich: Erstens seien die Abstände im ersten Durchgang zu groß gewesen, weswegen dieser Durchgang an den Gegner ging, zweitens habe Lehnerz in der zweiten Halbzeit für einige Minuten das Glück Pate gestanden, insgesamt der Sieg aber in Ordnung ging, weil wir in der Phase das Ding nicht gemacht haben. Sein Gegenüber Sedat Gören war einmal mehr zufrieden mit seiner Mannschaft, sprach davon, "dass wir keinen Hauruckfußball spielen wollen, auch diesmal mit Geduld und Kopf agiert haben und das Spiel weitgehend kontrollieren konnten". Und so dankte er letztlich Kaiser für seinen tollen Momente und Sternstein für dessen Kaltschnäuzigkeit, was sein Team von der Hessenliga träumen lässt.

Die Statistik:

TSV Lehnerz II: Kaiser – Vilmar, Dücker, Balzer, Heil (77. Friedrich) – Say – Sternstein (87. Hildenbrand), Wolf, Hohmann, Wittke – Bravo-Sanchez (65. Sorg).
SG Johannesberg: Hofacker – Vlk, Moise, Walt, Wiesner – Balz, Schwab (77. Fotsing) – Keller (56. Mwanza), Rexius, Noori (67. Bese) – Özlük.
Schiedsrichter: Andre Klein (Kickers Obertshausen).
Zuschauer: 350.
Tore: 1:0 Kaan Say (27.), 2:0 Christoph Sternstein (74.).

Autor: Johannes Götze

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