Topspiel in Sand, Kellerknaller in Soden, Derby am Petersberg

Verbandsliga nimmt immer mehr Fahrt auf

26. April 2018, 17:11 Uhr

Daniel Heil (rechts) und Lehnerz II wollen ihre überragende Form auch am Petersberg unter Beweis stellen, Hünfeld und Maximilian Fröhlich hingegen in Sand einen Konkurrenten abschütteln. Foto: Siggi Larbig

An diesem Wochenende weiß der geneigte Verbandsliga-Fan gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll: Auf der Sander Höhe will der Hünfelder SV einen der ärgsten Konkurrenten im Titelkampf auf Abstand halten, am Petersberg gastiert das formstarke Lehnerz II zum Derby und in Bad Soden kommt es zum Kellerknaller, der für die ganze Region Bedeutung haben könnte, hängen doch so viele Abstiegsfragen an Sodens Schicksal.

SSV Sand – Hünfelder SV (Samstag, 15.30 Uhr).

Als "das wichtigste Spiel seit der Aufstiegsrelegation vor drei Jahren" deklariert HSV-Coach Dominik Weber das kommende Gastspiel auf der Sander Höhe, wo der HSV einen der ärgsten Konkurrenten im Kampf um den Titel abschütteln könnte – oder auch nicht. Und dementsprechend will der Primus das Spiel angehen: "Mit Selbstvertrauen", sagt Weber und fordert, "dass wir uns nicht verbarrikadieren, sondern selbst gewinnen wollen". Niclas Rehm wird gesperrt fehlen, Franz Faulstich könnte ihn nach abgesessener Sperre im Abwehrverbund ersetzen, Marius Bublitz fehlt aus privaten Gründen. In den vergangenen Wochen hatten sich beim HSV die Platzverweise gemehrt, ein Problem, das es in den vergangenen Jahren nicht gab. Für Weber eine unbefriedigende Situation, "weil viele Fifty-fifty-Entscheidungen gegen uns gefallen sind". Der 37-Jährige hadert mit den Schiedsrichtern, am Samstag wird mit Steffen Rabe einer der besten in Hessen auf dem Platz das Sagen haben.

SG Bad Soden – FSV Dörnberg (Samstag, 16.30 Uhr).

In die Kategorie "überlebenswichtig" fällt das Heimspiel der "Sprudelkicker" gegen Dörnberg. Der FSV belegt den derzeitigen ersten Nichtabstiegsplatz, könnte mit einem Heimsieg aber übertrumpft werden und so der Druck auf die Gäste aus dem Habichtswald umgeschultert werden. Doch Anton Römmich, Trainer der SG Bad Soden, will genau dahinein nicht zu viel interpretieren, weil er damit einem Abkommen mit seinem Team untreu werden würde. "Wir haben uns vor zwei Wochen gesagt, dass wir alles was war hinter uns lassen und wirklich nur auf das nächste Spiel schauen, wo wir immer an das Maximum gehen wollen und müssen."

Und so ist das Ziel klar: Ein Heimspiel auf der Bornwiese soll gewonnen werden; den positiven Nebeneffekt, das Verlassen der Abstiegsränge, gäbe es obendrauf. Doch Vorsicht: Mit Pascal Kemper ist der Top-Torjäger der Verbandsliga (22 Treffer) wieder fit, dazu kommen die Gäste mit jeder Menge Tempo im Umkehrspiel nach vorne. Römmich wisse das alles, werde die Mannschaft entsprechend einstellen und im Tor wieder Arturo Gonzalez Garcia aufbieten. Gute Erinnerung gibt es derweil ans Hinspiel, als Römmich erstmals das Sagen hatte, gewann Soden mit 4:1.

RSV Petersberg – TSV Lehnerz II (Sonntag, 15 Uhr).

Alle Fußballer in Osthessen befinden sich dieser Tage, Wochen und Monate im Vollstress? Nicht ganz, denn der RSV Petersberg muss aktuell eher fürchten, nicht den Rhythmus zu verlieren, denn auf drei Spiele im März folgt am Sonntag auch erst die dritte und letzte Partie im April. Warum? Weil nur zwei Spiele ausfielen, eines bereits im Februar nachgeholt wurde und das andere noch folgt, war Ostern entspannen angesagt, darüberhinaus hatte der RSV in der vergangenen Woche spielfrei. Und so nutzten die eigentlich guten acht Punkte in jenen sechs Spielen wenig, um wirklich noch einmal an die Konkurrenz ranzurobben, die munter gepunktet hat – und so sieht es mit zehn Punkten Rückstand und verlorenem direkten Vergleich gegenüber Bad Soden zappenduster am Petersberg aus. Aber mit einem möglichen Abstieg beschäftigt sich der RSV ja schon seit Monaten, die Bürde der schwachen Hinrunde wog letztlich zu schwer.

Ganz anders die Gemütslage nur wenige Kilometer weiter: 24 von 27 möglichen Punkten holte die TSV-Reserve zuletzt und ist nunmehr das Team, dass im Winter keiner für den Aufstieg auf der Rechnung stehen hatte. "Wir haben's eng gemacht", sagt Trainer Sedat Gören in Anlehnung an den Sieg im Verfolgerduell gegen Johannesberg vor zwei Tagen und sieht sein Team nun auch in der Rolle der komplett unbefangenen. "Wir wollen weiter Spaß haben, unseren Fußball auch in Petersberg auf den Platz bringen und dann können wir auch da gewinnen", führt Gören aus, der treffend anbringt, "dass jetzt in der Spitzengruppe wirklich alles passieren kann, jede Woche direkte Duelle anstehen und sich das Blatt alle drei Tage wenden kann".

SG Johannesberg – CSC 03 Kassel (Sonntag, 15 Uhr).

Im Hinspiel gab es einen richtigen Blattschuss für den damaligen Primus, der mit 0:6 unterging, dies will das Team von Jochen Maikranz nun mit aller Gewalt vermeiden. Und wie das gegen eine laut Maikranz "rein vom Personellen her mit unglaublichem Niveau ausgestattete Mannschaft" gelingen kann? "Das Niveau bringt CSC nicht immer als Mannschaft auf den Platz, was unser Ansatzpunkt sein muss", beschreibt Maikranz seinen Plan, der auch eine gewisse Rotation beinhalten wird, nachdem bei den beiden bis dato letzten Partien fast ausschließlich die gleiche Startelf aufgeboten war. "Dass wir physisch nicht mehr ganz frisch in Lehnerz waren, ist keine Entschuldigung, aber eine Erkenntnis, die wir mitnehmen müssen", sagt Maikranz, der auf die Einsätzen von Leitfiguren wie Witali Bese, Benjamin Mwanza oder Eric Stephane Kengni Fotsing hoffen muss. Der CSC galt lange als Titelkandidat, schien dann komplett weg vom Fenster und mischt ob der schwächelnden Konkurrenz um Johannesberg doch wieder um Platz zwei mit, könnte mit einem Auswärtssieg bis auf einen Zähler an den kommenden Gegner ranrutschen.

SV Neuhof – SV 07 Eschwege (Sonntag, 15 Uhr).

"Wir spielen das was wir können – und dann stellt sich eben auch der Erfolg ein", sagt Neuhofs Co-Trainer Martin Döppenschmidt nach dem jüngsten Ritt auf der Erfolgswelle. Und was kann Neuhof spielen? Drei Punkte sind augenscheinlich maßgebend für das tolle Jahr 2018. Die Defensive. "Unsere Innenverteidiger sind extrem kopfball- und zweikampfstark, können auch das Spiel aufbauen und insgesamt ist der Abwehrverbund sehr gut aufeinander abgestimmt", erklärt Döppenschmidt, der ebenfalls ausgemacht hat, "dass wir nach vorne hin schon immer Qualität hatten, nun aber mit noch mehr Geschwindigkeit kommen können". Was wiederum den dritten Punkt begünstigt: die große Variabilität im Kader, "weil wir mittlerweile vier, fünf Spieler durchtauschen können, ohne dass wir an Niveau verlieren". Diesmal gilt es Spielertrainer Radek Görner, Fabian Wozniak (beide gesperrt) und Defensivspezialist Damian Dudala zu ersetzen, dennoch soll mit einem Dreier unbedingt die 40-Punkte-Marke erreicht werden. Und die könnte schon für den Ligaverbleib reichen, das weiß auch Martin Döppenschmidt.

Autor: Johannes Götze