Torjäger a.D. liebäugelt mit der Literatur

Gruppenliga: Fabian Kallée zieht Bilanz

30. Mai 2017, 10:00 Uhr

Noch einmal alles rausgehauen: Fabian Kallée für den SVA Bad Hersfeld! Archivfoto: Friedhelm Eyert

Der SVA Bad Hersfeld gehörte in der vergangenen Spielzeit gewiss zu den spielstärksten Truppen in der Gruppenliga, den Klassenerhalt sicherte das Team um den Trainerstab Fabian Kallée (Spielertrainer), Tobias Grimmer (Co-Trainer) und Andreas Welle (spielender Torwarttrainer) dennoch erst am letzten Spieltag. Wir haben mit Kallée, der nun pausieren wird, über das abgelaufene Spieljahr gesprochen.

Auf Facebook kursiert ein Livevideo, aufgenommen am Sonntagmorgen um 1.50 Uhr, in dem der SVA irgendwo zwischen dem Bad Hersfelder Marktplatz und dem Zigeunerkeller die „Humba“ anstimmt. Bekleidet sind fast alle in den schwarz-gelben Vereinsfarben. Die Nacht war da noch längst nicht zu Ende, der Klassenerhalt wurde wie eine Meisterschaft gefeiert: „Von dem Standpunkt her gesehen, hätten wir auch höherklassig spielen können“, gab Kallée am Morgen danach mit leicht belegter Stimme lachend zu Protokoll und verwies auch auf das Outfit: „Da sieht man, dass gar nichts geplant war. Aber die Jungs haben sich diese Nacht verdient.“

Ziemlich genau fünf Stunden vor jenem Video spielten die Emotionen dem 37-Jährigen einen viel größeren Streich: Nach Abpfiff lag er im Mittelkreis mit dem Gesicht auf dem Boden und heulte buchstäblich Rotz und Wasser, der Klassenerhalt war dank des 4:0-Heimsiegs gegen Viktoria Bronnzell eingetütet. Welle, der ebenfalls eine Geschichte des Spiels schrieb, musste kommen, um Kallée aufzurichten. Dann wurde vielleicht ein letztes Mal in Asbach die Abwandlung des Tim-Toupet-Hits angestimmt. Ihr wisst schon: das mit den Haaren und Toren. „Bei mir ist nach dem Spiel unheimlich viel Druck abgefallen. Der Druck als Trainer ist schon maximal, als Spielertrainer doppelt. Das war Freude, Anspannung die weggefallen ist und unfassbarer Stolz auf die Jungs, die speziell im vergangenen halben Jahr unfassbares geleistet haben“, beschreibt Kallée die Emotionen im Nachgang.

Sich selbst Druck gemacht - und standgehalten

Druck ist das Stichwort, den habe man sich durchaus auch selbst gemacht, speziell ab der Winterpause, als das Team mit dem Rücken zur Wand stand: „Wir wollten vor allem uns selbst zeigen, dass wir es besser können. Die Systemumstellung von 4-2-3-1 auf 5-2-3 hat sich bezahlt gemacht, viel wichtiger war aber der unglaublich gute Charakter des Teams, denn letztlich gab es nie irgendwelche Störfeuer, jeder hat seine Rolle im Team akzeptiert, wir als Trainerteam konnten ganz in Ruhe nur im fußballerischen Bereich arbeiten.“ Gerade für die jungen Spieler sei die Saison letztlich ein großer Erfolg gewesen, fast alle hätten einen riesigen Schub gemacht, sich an Männerfußball gewöhnt und gelernt mit Druck umzugehen: „Sicherlich ist diese Saison für viele viel mehr Wert, als ein sechster Tabellenplatz“, weiß Kallée, der nun pausieren wird.

Und da vielleicht schon mal an seinem Erstling arbeiten kann: „Nach meiner Laufbahn müsste ich eigentlich ein Buch mit Anekdoten rund um den Fußballplatz schreiben und Andy Welle würde garantiert ein eigenes Kapitel bekommen“, flachst der Schullehrer. Warum? Welle wollte nach Nils Wenzels 4:0-Treffer zum Feiern nach vorne eilen und blieb auf halber Strecke liegen. Die Wade hatte zugemacht - er konnte abends vor lauter Schmerzen nicht mal mitfeiern: „Aber auch das haben die Jungs sehr, sehr gut aufgefangen.“ Das zumindest ist vorerst Kallées letztes Kapitel, eines mit Happy End.

Autor: Johannes Götze