Totgesagte leben länger
Hessenliga: Aus dem Nichts holt SVS einen Punkt
Als Max Schäfer in der 85. Minute eingewechselt wurde, dachte niemand mehr an die Wende, 0:2 lagen seine Steinbacher zurück. Doch es kam anders: Ecke Pascal Manß, Markus Schaub macht den Ball noch mal scharf und Schäfer trifft satt aus der Distanz zum Anschluss. Vielleicht fünf Sekunden am Platz und bis dato noch ohne Ballkontakt. Sofort ging ein Ruck durch das Team: Sascha Schleinig fand eine Minute später keinen Mitspieler, zwei lange Bälle verpufften, aber als die letzte Minute der Nachspielzeit gerade angebrochen war, schlugen die Steinbacher zu: Linksverteidiger Ferhat Yildiz tauchte in Mittelstürmerposition auf, legte auf Michael Wiegand ab, der traumhaft ins linke Eck traf (90.+2). 20 Sekunden später pfiff der Schiedsrichter ab.
"Ein Punkt für die Moral", frohlockte "Johnny" Wiegand aus dem Führungsteam, sein Trainer Petr Paliatka führte an, "dass ich fairerweise sagen muss, dass Waldgirmes lange klar besser war". Und Daniyel Bulut musste zugeben: "Ich hatte das ganze Spiel das Gefühl, dass hier noch was passieren kann." Dem Waldgirmser Trainer missfiel trotz klarer Überlegenheit seiner Mannen in manchen Situationen die Konzentration. Er war schwer verärgert und noch enttäuschter als nach dem 0:7 gegen Dreieich vor einer Woche, sprach logischerweise von zwei verlorenen Punkten.
Falsche Trikots, Kunstrasen – viel sprach schon früh gegen Steinbach
Bereits der Vorlauf war für den SV Steinbach eher suboptimal: Schiedsrichter Patrick Werner (Bauschheim) konnte mit den schwarz-weißen Jerseys der Steinbacher nicht viel anfangen und verdonnerte – weil Waldgirmes schwarz-rot tragen wollte – die Gäste zum Tragen von Leibchen. Es wäre wohl auch so gegangen, Werner einen Vorwurf zu machen, ist jedoch Fehl am Platz, das Auswärtsteam hat in der Hessenliga für das passende Trikot zu sorgen. Auch dass das Spiel am Kunstrasen stattfand, bei den Witterungsverhältnissen das normalste der Welt, kam Steinbach gegen den Aufsteiger nicht entgegen.
Denn Waldgirmes kann Fußball. Und zwar einen sehr fein anzuschauenden, auf Zielstrebigkeit optimierten und in letzter Instanz mit einfachen Stilmittel geführten. Was jeder D-Jugend-Spieler bis zum Umfallen lernt, nämlich einfachstes Hinterlaufen, spielte Waldgirmes auf den Außenbahnen ein ums andere Mal. Schneller Antritt des Außenverteidigers, Doppelpass mit dem Links- oder Rechtsaußen und direkte Flanke. Steinbach wirkte dabei oft seltsam unbeholfen, Waldgirmes verpasste es hingegen die Vielzahl der Möglichkeiten auch umzumünzen.
Gerade die Anfangsviertelstunde war ein Lehrbeispiel, wie man einen angeschlagenen Boxer, wie es der SVS nunmal ist, bearbeitet: Chancen beinahe im Minutentakt erspielten sich die Gastgeber, Steinbach hatte Glück jene Drangphase zu überstehen. Erst ein Standard führte zur Führung, Tolga Durans direkter Freistoß schlug halbhoch im Mauereck ein (29.).
Zur Pause schmeichelte dem SVS das knappe Ergebnis, der bis dato einen einzigen Abschluss (Marcel Ludwig aus der Distanz) zu verzeichnen hatte. Und spätestens als Duran nach ganz feinem Konter über Nicolas Strack und Lucas Hartmann das 2:0 erzielte, schien das Spiel entschieden (50.). Aber just als Lukas Hartmann freistehend nur die Latte getroffen hatte (62.), stellte Waldgirmes das Spielen ein, ohne dass es lange Zeit wirklich gefährlich wurde, bestraft hat Steinbach das dank großer Moral und noch größerem Herzen dennoch.
Die Statistik:
SC Waldgirmes: Grutza – Siegel, Strack, Lang, Schmidt – Azizi, Schneider (74. Roskosz) – Hartmann (69. Schäfer), Duran, Öztürk – Gros (83. Kretschmann).
SV Steinbach: Motzkus – F. Wiegand (85. Schäfer), Bott, Trabert, Yildiz – Schaub, Paliatka (19. Ludwig) – Toskovic (64. Schleinig), M. Wiegand, Manß – Münkel.
Schiedsrichter: Patrick Werner (SKG Bauschheim).
Zuschauer: 300.
Tore: 1:0 Tolga Duran (29.), 2:0 Tolga Duran (51.), 2:1 Max Schäfer (85.), 2:2 Michael Wiegand (90.+2).


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