Vatanspor-Joker Saniyeoglu sticht mit Siegtreffer

Verbandsliga Süd: Ginsheim gibt Remis in der 90. Minute aus der Hand

26. April 2017, 22:56 Uhr

Der VfB Ginsheim (in blau) musste bei Vatanspor Bad Homburg eine bittere 1:2-Niederlage hinnehmen. Foto: Pedro Acebes.

Der TSV Vatanspor Bad Homburg hat sich am Mittwochabend zum Auftakt der englischen Woche in der Verbandsliga Süd mit einem 2:1-Sieg gegen den VfB Ginsheim wohl endgültig den Klassenerhalt gesichert. Dagegen mussten die Gäste nach einem guten Spiel in der 90. Minute den Nackenschlag in Form eines späten Gegentreffers hinnehmen und standen am Ende mit leeren Händen da. Der VfB verpasste somit den möglichen Sprung für zumindest einen Tag an die Tabellenspitze.

TSV Vatanspor Bad Homburg - VfB Ginsheim 2:1 (1:1)

Lediglich 70 Zuschauer hatten sich in das Sportzentrum Nordwest verirrt, das eine oder andere bekannte Gesicht war darunter auf der Tribüne zu erkennen. Enis Dzihic, Ex-Vatanspor-Coach war genauso vor Ort wie der künftige TSV-Trainer Jörg Loutchan. Darüber hinaus gaben sich auch die Aufstiegskonkurrenten der Ginsheimer die Ehre. Neu-Isenburgs Trainer Peter Hoffmann schaute aufmerksam zu und für Bad Vilbel nahm Kenan Kovacevic das Geschehen unter die Lupe. Mittendrin: Kelsterbachs "Noch-Tausendsassa" Christian "Ossi" Trupkovic, der die Viktoria am Saisonende verlässt. Dass der wichtige Heimdreier am Ende auf das Konto der Bad Homburger ging, war letztlich etwas glücklich, das gab auch Vatanspors Sportmanager Hüseyin Güven in seiner Interimsfunktion als Trainer zu: "Ehrlich gesagt habe ich mit dem Siegtreffer gar nicht mehr gerechnet. Allerdings hatten wir vor dem 2:1 einige Kontermöglichkeiten. Wenn wir die sauber und besser abschließen, wäre vielleicht das Tor früher gefallen. Ginsheim war klar besser, aber unsere Jungs haben dagegen gehalten. Das was ich am letzten Sonntag vermisst habe, war heute da: Kampf und Leidenschaft. Wir haben glücklich gewonnen und können die Sache nun etwas beruhigter angehen".

Torraumszenen und Torschüsse gab es in der Anfangsphase nur vom Aufstiegsaspiranten zu sehen, der auf dem großen Rasenplatz stark begann. Kamil Kwiaton kam schon nach 20 Sekunden zum Abschluss. Der Führungstreffer des VfB nach acht Spielminuten war die logische Konsequenz der Drangphase der Gäste. Nach einem Zuspiel von Berat Karabey war David Halla erfolgreich und erzielte das 1:0 für Ginsheim. Immer wieder kam Karabey auf der linken Seite durch und wenn seine Flanke in der 14. Minute in der Mitte auch einen Abnehmer gefunden hätte, wäre hier möglicherweise schon der zweite Treffer des Tabellenzweiten gefallen. Dann aber setzte sich bei den Hausherren Torjäger Ibrahim Cigdem immer besser in Szene, bediente zunächst Eugen Schiffmann, dessen Schuss abgefälscht über das Tor ging. Einen eigentlich eher harmlosen Flachschuss von Cigdem ließ VfB-Torhüter Lukas Langenstein dann zum 1:1-Ausgleich passieren (24.). Und nur eine Minute später hätte Cigdem beinahe erneut getroffen, setzte seinen Abschluss aber links am Tor vorbei. Danach standen die Platzherren kompakt und lauerten auf Konter. Ginsheim hatte mehr vom Spiel, machte aber zu wenig daraus.

Artur Lemm: "Vatanspor war unfassbar effektiv, wir dagegen ineffektiv"

Lukas Görlich mit einem Kopfball und Ilyasse Attia, der im letzten Moment noch abgeblockt wurde, hätten den VfB zur Halbzeit wieder in Führung bringen können. Auf der Gegenseite rauschte ein Freistoß von Vatanspors Dominik König nur Zentimeter am Ginsheimer Tor vorbei. "Wir waren klar die bessere Mannschaft. Das war eine völlig unverdiente Niederlage, weil wir das Spiel klar dominiert haben. Wir hatten ganz viele Torchancen, vor allem durch Karabey. Vatanspors Torhüter Kai Klug hat sehr klug gehalten und stand manchmal auch glücklich im Weg. Beim Gegentor haben wir Cigdem zu viel Platz gelassen, das dürfen wir beim besten Torjäger der Liga nicht zulassen. Der Ball war einfach haltbar und den muss unser Torwart halten. Vatanspor war unfassbar effektiv, wir waren ineffektiv", fasste Ginsheims Trainer Artur Lemm zusammen. Denn nach Wiederbeginn spielte Ginsheim weiter nach vorne, während Vatanspor geschickt auf Kontersituationen lauerte. Mehrmals war es Berat Karabey, der die Führung der Ginsheimer auf dem Fuß hatte. Entweder parierte Kai Klug, oder der Stürmer vergab diese Möglichkeiten. Bei einer anderen Situation wäre Karabey frei durch gewesen, doch der Linienrichter hob etwas vorschnell die Fahne und sah den Angreifer dabei im Abseits.

Und als alle schon mit dem 1:1 rechneten, bekam Vatanspor die zweite Luft und setzte immer öfter zu Kontern über Ibrahim Cigdem an. Einer davon wurde in der 90. Minute erfolgreich abgeschlossen. Und es war ausgerechnet der erst 19 Minuten zuvor eingewechselte Mustafa Saniyeoglu, der mit einem wunderbaren Schuss auf Zuspiel von Cigdem aus der zweiten Reihe seine Jokerrolle erfüllte und den vielumjubelten 2:1-Siegtreffer für Vatanspor markierte. "Wir haben einen Riesenaufwand betrieben und das Spiel beherrscht und sind dafür nicht belohnt worden", bedauerte Lemm, der vorrechnete: "Wenn Neu-Isenburg morgen gegen Fehlheim gewinnt, haben wir es nicht mehr in der eigenen Hand Meister zu werden. Der erste Ehrgeiz muss es sein, den zweiten Platz zu verteidigen". Hüseyin Güven freute sich, dass der Tabellenvierte in dieser "engsten Tabelle der Welt" wohl nicht mehr in Abstiegsgefahr gerät: "Ich habe vor acht Wochen gesagt, dass 45 Punkte ganz sicher langen werden. Wir haben jetzt 44 und diesen einen Punkt werden wir noch irgendwo holen. Sonst müsste es mit Geistern zu gehen. Wir wollen jetzt in Usingen nachlegen, um die Nummer eins im Hochtaunuskreis zu bleiben".

Die Statistik:

TSV Vatanspor Bad Homburg: Klug - Fliess, N.König (73. Dragut), Schleiffer, Schiffmann (71. Saniyeoglu), Stoss, Cigdem, D.König. Paci, Krieg (76. Füssel), Ujma - Trainer: Hüseyin Güven.
VfB Ginsheim: Langenstein - Manneck, Finger, Bednarz, Kwiaton (81. Schmitt), Attia, Hourle (66. Raspaglia), Görlich (85. Wein), Karabey, Halla, Carbone - Trainer: Artur Lemm/Carsten Hennig.

Schiedsrichter: Paul-Ioan Barbu.
Zuschauer: 70.
Tore: 0:1 David Halla (8.), 1:1 Ibrahim Cigdem (24.), 2:1 Mustafa Saniyeoglu (90.).

Autor: Pedro Acebes

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