Vier Trainer, Realitätssinn und ein Luxusproblem
RSV muss sich nach bewegter Hinserie mehr denn je mit einem Abstieg auseinandersetzen
Mathias Lissek, seines Zeichens Sportlicher Leiter beim RSV, gibt zu, „dass ich nicht erwartet hätte, dass wir mit nur zwölf Punkten unterm Weihnachtsbaum sitzen.“ Man hatte sich am Waidesgrund mehr ausgerechnet, zumal mit Rolf Gollin ein Trainer in der Vorsaison übernommen hatte, der den Verein aus dem Effeff kennt, der Kader bis auf zwei Ausnahmen gehalten werden konnte, mit Tim Stenger ein verheißungsvoller Neuzugang zum RSV gewechselt war und die Youngster um Marcel Zehner wieder einen Schritt weiter in ihrer Entwicklung waren.
„Dieses Jahr hat uns aber ein extremes Verletzungspech erwischt“, hadert Lissek vor allem mit den langen Ausfällen von Stenger und Boris Aschenbrücker. Dazu fehlte Kubilay Kücükler wochenlang wegen einer Rotsperre. Der oft ans Team gerichtete Vorwurf, dass der Sport nicht oberste Priorität habe und Spieler in den Urlaub fahren würden, wenn es ihnen passt, will Lissek im Übrigen so nicht stehen lassen. „Ja, das war im Vorjahr ein Problem. In dieser Saison habe ich schon eine Mannschaft gesehen, die mitzieht und weiß, worum es geht.“ Auch wenn der 50-Jährige es so direkt nicht sagen möchte, lässt er trotzdem durchblicken, dass er umso überraschter vom Rücktritt Gollins am 18. Oktober war. „Es war nicht der glücklichste Zeitpunkt, wir mussten uns da erstmal schütteln“, gibt Lissek zu und verhehlt nicht, „dass der Mannschaft dieser Wechsel nicht gutgetan hat.“ Bis zum jüngsten 2:2 gegen Neuhof versuchte es der RSV mit der Interimslösung Boris Aschenbrücker/Christian Hehrmann, aus sechs Spielen gab es aber nur zwei Punkte.
"Die Jungs haben noch nicht aufgegeben"
Nun erhofft sich der RSV vom erfahrenen Jürgen Krawczyk (64), dem insgesamt vierten Coach in dieser Spielzeit, neue Impulse. „Jürgen kann unvoreingenommen an die Sache herangehen im Wissen, dass ein Abstieg kein Beinbruch ist. Wir müssen ja zwei von drei Spielen in der Rückserie gewinnen, da in der Hessenliga sicherlich nicht fünf Mannschaften zurückziehen werden“, spielt Lissek scherzhaft auf die Tatsache an, dass durch einen möglichen Abstieg von Steinbach und Vellmar aus der Hessenliga in diesem Jahr sicher mehr als drei Mannschaften in die Gruppenliga müssen. Zudem ist der Abstand des RSV zum rettenden Ufer mit zehn Zählern ungleich größer als im Vorjahr. „Am Dienstag hat sich Jürgen vorgestellt und bis auf zwei Jungs, die arbeiten mussten, war die ganze Mannschaft vor Ort – ob verletzt oder nicht. Aufgegeben haben die Jungs noch nicht“, betont der Sportliche Leiter unverdrossen.
Mittelfristig sind die Petersberger bestrebt, vor allem die eigenen Leute bei der Stange zu halten und ab dem kommenden Sommer entweder weiterhin in der Verbandsliga oder auf einem Spitzenplatz in der Gruppenliga guten Fußball zu zeigen. „Klar sind jetzt viele Gespräche nötig. Aber wir haben im letzten Jahr in ähnlicher Lage schnelle Zusagen erhalten. Die Mannschaft ist intakt, die Jungs haben auch neben dem Platz Spaß“, ist Mathias Lissek optimistisch. Krawczyk solle viele weitere Youngster im nächsten Halbjahr an die Mannschaft heranführen.
Auch wenn es im Nachwuchsbereich – der RSV ist Mitglied im Jugendförderverein Gemeinde Petersberg – besser laufen könnte, ist Lissek frohen Mutes, was die Zukunft angeht: „Aus der A-Jugend kommen im nächsten Jahr 15 Jungs raus, die ihren Pass bei uns haben. Viele von ihnen haben nicht das Niveau für die Verbandsliga, aber wollen Spaß haben und einfach kicken“, erwägt Lissek, sogar eine dritte Mannschaft ab Sommer ins Rennen zu schicken. „Dafür brauchen wir aber wirklich fixe Zusagen und auch einen Trainer. Es ist ein Gedankenspiel.“ Fakt ist eins: Ein Abstieg würde den Gesamtverein nicht umhauen. / hall

