Weber fordert Männer- statt Jugendfußball
Verbandsliga: Maikranz hält sich bedeckt
Für Radek Görners Neuhof führt die Reise ins Chattenloh, während Alex Reksius und die SG Johannesberg bei Aufsteiger Kaufungen gefordert ist. Foto: Charlie Rolff
SV Kaufungen 07 – SG Johannesberg (Samstag, 15.30 Uhr).
Auch mit etwas Abstand zum in breiter Diskussion stehenden Derby Johannesbergs in Neuhof will sich SGJ-Trainer Jochen Maikranz zurückhalten – obwohl im Laufe des Spiels drei seiner Akteure blutend vor ihm standen und zwei gar ins Krankenhaus mussten. "Ich will nur bewerten, was meine Mannschaft gemacht hat und da bin ich stolz, dass sie sich nicht hat verleiten lassen, sondern als Gemeinschaft sehr gut gearbeitet hat und insgesamt die bessere, effektivere Mannschaft war." Letztlich sei der Sieg gegen "eine qualitativ hochklassige" Mannschaft schlichtweg verdient gewesen.
Doch das Spiel hat merklich Spuren hinterlassen, der sich in Topform befindliche Stürmer Witali Bese fällt aus, auch bei einigen weitere Spielern dürfte es bis Samstag eng werden: "Wir müssen bis zum Spiel Wunden lecken", verdeutlicht Maikranz, der hofft, dass – ganz egal mit welchem Personal – an die ersten drei Spiele angeknüpft werden kann. Gelingt dies, ist auch etwas beim Mitaufsteiger möglich, der einen Durchmarsch von der Kreisoberliga hinter sich hat: "Ich habe die Mannschaft in der Relegation in Thalau gesehen, das hat schon sehr nach Struktur ausgesehen und mit Boll haben sie im Sturm einen echten Pfeil."
Hünfelder SV – CSC 03 Kassel (Sonntag, 15 Uhr).
"Ernüchtert“ war Dominik Weber nach der 3:5-Niederlage in Dörnberg. Stellte er der Defensive gleich nach der Partie ein ganz schlechtes Zeugnis aus, differenziert der HSV-Trainer ein paar Tage später das Gesehene: "Wir hatten viel Ballbesitz, so richtig zwingend wurde es aber in der ersten Halbzeit nicht.“ So müsse man es auch in Phasen ohne Torgefährlichkeit hinbekommen, im Umschaltspiel konsequent zu sein und mehr Ehrgeiz entwickeln, den Ball zurückerobern zu wollen. Dazu ärgert Weber das Verteidigen der gegnerischen Standards – vier Gegentore fielen in der noch jungen Saison nach ruhenden Bällen: "Da ist unser Verhalten teilweise Jugend- und nicht Männerfußball, da müssen wir ganz einfach galliger sein.“
Allesamt Punkte, die es am Sonntag besser zu machen gilt – und gegen CSC ist nach zwei Niederlagen in der Vorserie ohnehin Wiedergutmachung angesagt. Weber nahm den Gegner am Mittwoch in Schwalmstadt noch einmal unter die Lupe. Die Erkenntnise, dass sich die Mannschaft bei defensivem Ballbesitz und schnellem Konterspiel über die Außen besonders wohlfühle, hatte er allerdings auch schon zuvor gesammelt. Weil Nils Wenzel privat verhindert ist, muss Weber einen neuen Rechtsverteidiger stellen. Niklas Wahl ist noch keine Alternative, er fehlt genau wie Innenverteidiger Tarek Belaarbi weiterhin.
RSV Petersberg – 1. FC Schwalmstadt (Sonntag, 15 Uhr).
Manchmal verlieren Mannschaften in einem Spiel gleich zwei – und dem RSV Petersberg könnte dieses Schicksal am Sonntag blühen. Denn personell hat es am Mittwoch geräumt: Innenverteidiger Marc Aschenbrücker und Rechtsaußen Kubilay Kücükler handelten sich unnötige Platzverweise ein, Linksaußen Adrian von Pazatka eine Platzwunde, dazu heiratet Sechser Julian Wehner am Samstag und wird daher gegen Schwalmstadt auch nicht spielen. Zurückkehren könnte Kurzurlauber Julian Elm. RSV-Coach Rolf Gollin war daher schon nach der Niederlage am Mittwoch gegen Eschwege (0:2) bedient, haderte nicht mit der Niederlage an sich, sondern viel mehr mit der Art und Weise – und weiß: "Wir haben uns vor dem so wichtigen Spiel gegen Schwalmstadt unnötig selbst geschwächt."
Wobei Gollin und Co. die Flinte nicht schon vorher ins Korn werfen müssen, schließlich war die Bank prall besetzt, die zweite Reihe wird ihre Chance zwangsläufig bekommen, zudem machte Durchgang zwei durchaus Hoffnung, da knüpfte Petersberg an die ersten beiden guten Saisonspiele an, setzte Eschwege unter Druck, traf aber die Kiste nicht. Schwalmstadts Saisonstart ist absolut okay gewesen: In Mengsberg das Derby gewonnen, gegen Spitzenreiter Rothwesten und das hochgehandelte CSC 03 Kassel zumindest einen Punkt geholt. Der neuerliche Umbruch scheint diesmal nicht ganz so schwer zu wiegen in der Schwalm.
TSV Lehnerz II – SV 07 Eschwege (Sonntag, 15 Uhr).
Bis zum ersten "Dreier" musste Lehnerz II drei Spieltage warten, doch umso verdienter wurde er bei Aufsteiger Kaufungen am Mittwoch eingefahren – und das quasi ohne Hilfe von "oben". Nur der offensive Außen David Wollny, der Spielpraxis sammeln soll, um sich wieder für das Hessenligateam zu empfehlen, war mitgereist. Für Sonntag erhofft sich Trainer Sedat Gören mehr Unterstützung, "weil wir gerade im Spiel gegen Hessen Kassel II gesehen haben, dass wir noch etwas grün sind". Und Eschwege sei schließlich ein ganz anderes Kaliber, das garantiert ganz weit vorne landen werde, zumal Spielmacher Jan Kaufmann nach Rotsperre zurück ins Team der Nullsiebener kehre. In der Tat hinterließ Eschwege bei beiden Auftritten bislang einen hervorragenden Eindruck.
SV Adler Weidenhausen – SV Neuhof (Sonntag, 15 Uhr).
Keinen Punkt, drei Niederlagen und zwölf Gegentore – schlechter hätte der SV Neuhof nicht in die neue Saison starten können. Und jetzt heißt das Reiseziel ausgerechnet Weidenhausen, die Adler haben ihrerseits in drei Spielen satte 14 Tore erzielt, Sören Gonnermann trifft nach seiner schweren Knieverletzung schon wieder wie er will und steht bei fünf Saisontoren. "Unser Ziel muss sein, die Offensivwaffen irgendwie in den Griff zu bekommen, die Abwehrreihe muss hochkonzentriert sein, das Mittelfeld mehr helfen und nach vorne müssen wir uns mehr Chancen rausspielen – und natürlich auch nutzen", erklärt Martin Döppenschmidt den Schlachtplan.
Für Neuhofs Co-Trainer steht fest, dass schleunigst ein Erfolgserlebnis für die Köpfe hermüsse. Bislang fiel Neuhof nämlich wieder mehr durch Platzverweise (drei in drei Spielen) auf: "Wir sind aber keine Tretertruppe. Die zwei Platzverweise gegen Johannesberg waren sicherlich vertretbar, aber es war keineswegs – so wie es in den Medien dargestellt wurde – ein überhartes Spiel." Letztlich glaubt Döppenschmidt, dass Teile der Spieler, gerade in Phasen wenn es nicht läuft, Zeichen setzen wollen, dies aber versuchen müssten, anders zu kanalisieren: "Am besten wäre, wenn wir einfach den Gegner laufen lassen, so wie er uns aktuell laufen lässt. Wir laufen nur hinterher und das können wir besser."
SSV Sand – SG Bad Soden (Sonntag, 15 Uhr).
Der SSV ist klasse in die Saison gestartet, konnte das schwere Heimspiel gegen den CSC souverän gewinnen und auch in Johannesberg dreifach punkten. Das Spiel gegen Willingen fiel allerdings am Mittwoch ob der tagelangen Regenfälle ins Wasser – und auch hinsichtlich Sonntag ist Sands Pressesprecher Jörg Bochmann "skeptisch", so seien auch in den kommenden Tagen die Prognosen sicherlich nicht vorteilhaft und um am Ende einen Schaden von vielleicht 5000 Euro zu riskieren, sei ein Spiel nicht wert.
Eine Absage würde Sodens Trainer Kelvin King nicht in den Kram passen, schließlich war der Auftritt am Dienstag in Mengsberg (7:2-Sieg) klasse: "Generell sind Spielabsagen blöd, aber gerade nach dem Mengsberg-Spiel würden wir uns natürlich direkt wieder präsentieren wollen." Was am Dienstag beeindruckte, dass der Mannschaft nach dem verunglückten Saisonstart keinerlei Verunsicherung anzumerken war: "Es hatte sich eher Frust bei den Spielern angestaut, weil sie wissen, dass sie mehr können, als ein Punkt und sieben Gegentore in den ersten beiden Spielen", erklärt King, der, falls denn gespielt werden kann, einen ganz anderen Gegner erwartet: "Sand ist schon jahrelang ein dominantes Team in der Liga, auf allen Positionen top besetzt. Wir wollen wieder die Stabilität von Dienstag reinbekommen und Nadelstiche setzen, den Gegner ärgern, den Gegner verunsichern." Auszufallen droht Daniele Fiorentino, der Offensivmann klagt über muskuläre Probleme.

