Ditzel trifft für Rothemann

Wenn ein Keeper die Nummer 10 bekommt

19. Oktober 2021, 10:00 Uhr

Andre Ditzels Kernaufgabe ist es, den eigenen Kasten sauber zu halten. Gegen Oberkalbach hat der 30-Jährige aber das gegnerische Tor genauer ins Visier genommen. Foto: Charlie Rolff

Torhüter sind, bekanntermaßen, für das Toreverhindern zuständig. Eigentlich zumindest. Andre Ditzel vom TSV Rothemann durfte im Heimspiel der Kreisoberliga Süd gegen die SG Oberkalbach im Sturm ran – und traf prompt.

Das Tor des 30-Jährigen war sogar richtig sehenswert. Florian Schertell flankte von rechts, in der Mitte verpassten zwei Verteidiger den Ball und Ditzel schoss die Kugel volley mit dem schwachen linken Fuß unter die Latte. "Er hätte auch 30 Meter drüber gehen können. Aber so war es ein ganz cooles Tor, sicherlich mein schönstes", sagt der Schütze über seinen Treffer zum 4:0-Endstand.

Allzu viele Treffer hat Ditzel natürlich nicht erzielt – obwohl er in der Vorsaison und beim Gemeindepokal schon einmal im Feld ran durfte und bei letztgenanntem Turnier gegen Welkers sogar doppelt traf. "Wenn man als Sturmspitze eingewechselt wird und die Nummer zehn von Maurizio Bohl bekommt, dann muss man auch eine Bude machen", sagt der frühere Fliedener und Neuhofer schmunzelnd. Ein zweites Tor war sogar möglich, doch Ditzel entschied sich in aussichtsreicher Position für einen Querpass, der nicht ankam. Eine Kiste Bier wird er in der nächsten Mannschaftssitzung trotzdem ausgeben müssen.

"Bei Vollbesetzung anderer Tabellenplatz"

Dass die etatmäßige Nummer eins im Feld ran musste, ist allerdings auch der Personalsituation in Rothemann geschuldet. Ditzel war gegen Oberkalbach einziger Einwechselspieler des TSV. "Der Kader ist nicht zu klein, aber wir hatten durch Rote Karten und Verletzungen häufig eine schwierige Situation", betont der Keeper, der in den für die nächstjährige Aufstiegsrunde unbedeutenden Spiele in Hattenhof und gegen Oberkalbach zwischen den Pfosten von Carsten Peikert vertreten wurde.

"Aber auch in solchen Spielen können wir nicht larifari auftreten und dann eine Woche später einfach wieder den Schalter umlegen. So funktioniert es nicht. Zumal wir ja noch ein gewisses Ziel vor Augen haben", unterstreicht Ditzel. Und das konkrete Ziel heißt: Platz eins. Derzeit hat Rothemann sieben Punkte Rückstand auf Lütter und würde dieser Zahl in der Aufstiegsrunde hinterherlaufen. Bad Soden II und Vogelsberg, gegen die Rothemann 2:2 gespielt hat, könnten allerdings noch in den Play-Downs landen.

Dabei war Rothemann in der abgebrochenen Vorsaison in der Pole-Position, hatte wie Lütter jetzt kein einziges Spiel verloren. "Vom Gejagten zum Jäger – der Spieß hat sich umgedreht. Wenn wir immer in Vollbesetzung angetreten wären, würden wir jetzt einen anderen Tabellenplatz belegen", ist sich Ditzel sicher. Der Traum von der Gruppenliga lebt dennoch weiterhin: "Wir wollen auf jeden Fall hoch. Es ist schade, dass es nur einer darf. Man gewinnt fast alles, ergattert viele Punkte und hat dann vielleicht nichts erreicht, weil Lütter nichts liegen lässt."

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