Wetten im Amateurfußball: Verbandsligist schmeißt Datenscout raus

21. August 2024, 15:34 Uhr

Auf das Hessenliga-Derby zwischen dem Hünfelder SV und dem SV Steinbach in der vergangenen Woche konnte getippt werden. © Privat

In der Verbandsliga Mitte kam es zu einem Vorfall, bei dem ein Datenscout Spielinformationen für Wettzwecke sammelte. Der Hessische Fußball-Verband (HFV) hat daraufhin reagiert.

Wie mittlerweile durch Medienberichte bekannt wurde, stand beim Spiel der Verbandsliga Mitte zwischen dem TuS Dietkirchen und der SG Walluf (4:3) ein Datenscout auf dem Sportplatz, der Spielinformationen für Wettzwecke sammelte und verbreitete, wodurch Livewetten bei einem Wettanbieter platziert werden konnten. Der ehemalige Hessenligist handelte vorbildlich, machte von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies die besagte Person des Sportgeländes. Der HFV stellt in einer Pressemitteilung klar, dass in diesem Fall keine Anhaltspunkte für eine Spiel- oder Wettmanipulation vorliegen und weiterführende Maßnahmen nicht erforderlich sind.

Wetten im Amateurfußball: Tipps auf Hessenliga-Spiele möglich

Dieser Vorfall am Reckenforst tritt zu einer Zeit auf, in der das Thema Sportwetten im Amateurbereich verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Eine kürzlich ausgestrahlte Dokumentation des BR mit dem Titel „Angriff auf den Amateurfußball – Die Gier der Wettindustrie“, so wie verschiedene Berichte in der Presse haben die Risiken und Gefahren dieser Entwicklung eindringlich aufgezeigt. Wettanbieter mit deutscher Lizenz dürfen keine Spiele unterhalb der 3. Liga anbieten. Allerdings ist es kinderleicht möglich, sich auch in Deutschland lebend einen Account bei Wettanbietern anzulegen, die über keine deutsche Lizenz verfügen und beispielsweise alle Regionalliga-Spiele und viele Spiele der Hessenliga in ihrem Wettprogramm aufführen. Auch konnte beispielsweise das Hessenliga-Derby zwischen dem Hünfelder SV und dem SV Steinbach in der vergangenen Woche getippt werden. Fallen mehr oder weniger als 3,5 Tore, wer gewinnt die erste Halbzeit oder wie geht das Spiel aus. Auf einen 4:0-Sieg des HSV gab es eine 61er-Quote (siehe Screenshot). Ergo: Für 5 Euro hätte er bei eintreffendem Ergebnis 305 Euro gewinnen können. Das Spiel endete 1:0. Das Spiel war aber im Gegensatz zu dem in Rede stehenden Spiel in Dietkirchen nicht als Live-Spiel verfügbar. Dementsprechend musste hier auch kein Datenanalyst vor Ort sein und den Vereinen sind die Hände gebunden.

Das Ganze ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahren möglich. Allerdings hat der HFV erst jetzt reagiert, nachdem die Vorfälle in Dietkirchen öffentlich geworden sind. „Obwohl in diesem speziellen Fall keine Manipulation festgestellt wurde, nehmen wir die Situation sehr ernst,“ sagt Prof. Dr. Silke Sinning, Vizepräsidentin des Hessischen Fußball-Verband in der Pressemitteilung des HFV. „Der § 21 Nr. 1a des Glücksspielstaatsvertrags untersagt die Veranstaltung und Vermittlung von Glücksspielen ohne entsprechende Erlaubnis. Dies gilt insbesondere für Sportwetten, die auf Amateurspiele abgeschlossen werden und umfasst auch das Sammeln und Verbreiten von Spielinformationen, die für Wettzwecke genutzt werden könnten. Zudem verpflichten uns die Satzung und Ordnungen des HFV, aktiv gegen Manipulationsversuche vorzugehen, die insbesondere seitens Spieler*innen, Schiedsrichter*innen und/oder Vereinen ausgehen könnten. Der Schutz der Integrität des Spiels hat für uns oberste Priorität.“

Als Reaktion auf diesen Vorfall in Dietkirchen und die gestiegene Aufmerksamkeit für das Thema, hat der Hessische Fußball-Verband einen Leitfaden entwickelt, der allen Vereinen Handlungsempfehlungen für den Umgang mit derartigen Situationen gibt. Der Leitfaden wird heute bereits an alle Vereine und Verbandsfunktionäre verschickt. Dieser ist dem Anhang zu entnehmen. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Vereine gut vorbereitet sind und wissen, wie sie in solchen Situationen handeln können,“ fügte Robert Neubauer, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Spielbetrieb und Fußballentwicklung, hinzu. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam wachsam bleiben und die Vereine darüber informieren wie sie in den Situationen bei einem Verdacht der Datensammlung vor Ort, aber auch einer Spielmanipulation umgehen, damit solche Vorfälle in Zukunft eingedämmt werden können.“

In der Regionalliga Südwest kam es in der Partie zwischen dem FSV Frankfurt und dem TSV Steinbach Haiger zu dem Verdacht der Wettmanipulation . Bis heute gibt es in diesem Fall keine weiteren Entwicklungen.

Kommentieren