Zwei zentrale Mittelfeldspieler, zwei Leader, zwei Analysen

Mark Jaksch und Patrick Schaaf machen vor dem Auftakt-Kracher den großen Check

23. Juli 2015, 16:00 Uhr

Mark Jaksch (links) und Patrick Schaaf (rechts) sind heiß aus das Auftakt-Derby.

Beide lenken auf der Doppelsechs das Spielgeschehen ihres jeweiligen Vereins. Beide tragen die Rückennummer 13. Beide werden ihre Vereine am Samstag wohl aufs Feld führen. Vor dem Hessenliga-Derby zwischen Borussia Fulda und dem TSV Lehnerz (Samstag, 18 Uhr) haben wir sowohl mit Mark Jaksch (Borussia) als auch mit Patrick Schaaf (Lehnerz) gesprochen, die mit uns den großen Check durchgeführt haben.

Die Neuzugänge:

In Fulda wird auf Regionalligaerfahrung gesetzt. Mit Ingmar Merle (Hessen Kassel), Benjamin Fuß (Meuselwitz) und Sebastian Ruhl (Flieden) kamen Spieler, die bereits einige Partien in der vierthöchsten Spielklasse absolvieren durften. Dazu stoßen mit Marcel Hein (Hünfeld), Leon Pomnitz (Lehnerz) und Enes Hoxha (Lupa Rom) drei Talente zum Team dazu, die schon in ihrer ersten Borussen-Saison für Furore sorgen wollen. "Alle Neuzugänge wurden von uns gut aufgenommen, das ist sowieso eine Stärke von uns", sagt Borussen-Kapitän Mark Jaksch. "Ich denke, dass wir im Vergleich zur vergangenen Saison besser und breiter aufgestellt sind, jede Position ist jetzt doppelt besetzt. Wir haben zwei Spieler direkt aus der Regionalliga geholt, dazu mit Sebastian Ruhl eine absolute Verstärkung für die Defensive gewonnen. Gerade, was die körperliche Robustheit angeht, haben wir uns verbessert. "

In Lehnerz gab es dagegen nur zwei Neuzugänge - zum einen Innenverteidiger Sebastian Sonnenberger. "Bei Sebastian merkt man, dass er eine gute Ausbildung genossen hat und auch schon im Seniorenbereich in der Regionalliga gespielt hat", erklärt Schaaf. "Für unsere Defensive ist er sicherlich eine enorme Verstärkung. Alleine dadurch, dass er mit seinen Kommandos die Mannschaft führen kann." Zum anderen kommt Schaafs Kumpel Alexander Reith von Gegner Borussia Fulda. "Ich müsste wohl sehr weit weg fahren, um einen besseren zu finden, zumindest, was das Fußballerische angeht. Er hat die Vorbereitung auch gut durchgezogen und befindet sich auf einem sehr hohen Niveau. Auf ihn können sich die Zuschauer am Samstag freuen."

Die Abgänge:

Aus dem letztjährigen 18er-Kader der ersten Mannschaft hat der SCB nur einen Abgang zu verzeichnen - der eben angesprochene Alexander Reith. "Alex ist natürlich ein Spieler, der Spiele entscheiden kann, er war eine Bereicherung für unser Team. Der Wechsel hatte aber nicht nur sportliche Gründe, von daher wurde der Wechsel von der Mannschaft gut aufgenommen. Für die Zukunft wünsche ich Alex alles Gute", betont Jaksch.

Auch in Lehnerz gibt es nur einen Abgang zu verkraften. Leon Pomnitz, der zur Borussia gewechselt ist. "Wir können seinen Abgang verkraften, auch wenn wir mit ihm noch einen Tick besser wären. Sowohl menschlich als auch fußballerisch ist sein Abgang ein Verlust." Trotz der wenigen Veränderungen sieht Schaaf sein Team dennoch sehr gut aufgestellt. "Wir haben unseren Kader schon in den vergangenen Jahren im Großen und Ganzen zusammengehalten. Das ist natürlich ein Vorteil, die Leute kennen sich, wir haben eine homogene Truppe. Durch die Neuzugänge haben wir nochmal eine enorme Qualität gewonnen, in der Breite sind wir jetzt definitiv besser aufgestellt."

Die Vorbereitung:

Kein Team hat den Trainingsbetrieb früher als die Borussia aufgenommen. "Die Vorbereitung ist optimal verlaufen. Wir hatten fünf Wochen lang ein intensives, straffes Programm, das ist unter dem Oli aber auch ganz normal", so Jaksch. Das Trainingslager in Belgrad kam beim Borussen-Kapitän ebenfalls gut an. "So konnten wir die Neuzugänge besser eingliedern, da wir sehr viel Zeit miteinander verbracht haben. Im Training konnten wir auch vieles einstudieren, da wir bei zwei Einheiten pro Tag mehr machen konnten."

Der TSV absolvierte dagegen ein Trainingswochenende in Leipzig. "Neben den Testspielen konnten wir gerade im taktischen Bereich gut arbeiten. Das Team konnte auch neben dem Platz einiges unternehmen, so haben einige ein Playstation-Turnier veranstaltet, während die anderen gepokert haben. Das ist in Leipzig schon immer etwas Besonderes, dort herrscht ein spezielles Flair", berichtet Schaaf.

Die Testspiele:

Klare Siege feierte die Borussia gegen Simmershausen (7:1), Veitsteinbach (12:0) und im Kreispokal gegen Niederkalbach (14:0). "Solche Gegner musst du auch haushoch schlagen. Trotzdem war ich mit diesen Spielen total zufrieden, da wir uns gut bewegt haben", erklärt Jaksch. Gegen den serbischen Zweitligisten Novi Sad gab es sogar einen 4:3-Sieg. "Das war ein sehr gutes Spiel, unser bestes Spiel der Vorbereitung." Die Härtetests gegen die Würzburger Kickers (1:6) und den FSV Frankfurt (0:3 in einer Halbzeit) verliefen dagegen nicht wirklich optimal. "Ich denke, dass wir uns von Spiel zu Spiel besser gefunden haben. Gegen Würzburg waren einige Spieler und ich selbst nicht dabei, da waren wir ziemlich zusammengewürfelt. Beim FSV-Spiel hat nicht alles so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben, wir haben aber auch immerhin gegen einen Zweitligisten gespielt."

Besser lief es beim TSV Lehnerz. Keine einzige Niederlage musste der Vorjahreszweite der Hessenliga hinnehmen, gegen die Regionalligisten Braunschweig II (1:1) und Hessen Kassel (2:1) blieb der TSV ebenfalls unbesiegt. Kaufen will sich Schaaf davon aber nichts: "Ich bin kein Freund davon, eine Analyse aus den Testspielen zu beziehen, da man nie den Zustand des Gegners kennt. Es ist zwar schön, gegen einen Regionalligisten zu gewinnen, unter Wettkampfbedingungen hätte das wahrscheinlich aber anders ausgesehen. Das waren zwar alles Spiele, die uns weitergeholfen haben, es wäre aber auch nicht so schlecht gewesen, wenn wir mal verloren hätten."

Die Kulisse:

Inwieweit werden sich die Spieler von der zu erwarteten Kulisse von bis zu 5000 Zuschauern beeinflussen lassen? Mark Jaksch glaubt: "Obwohl Lehnerz in der Relegation schon vor einigen Zuschauern gespielt hat, denke ich, dass es für beide Mannschaften etwas Neues ist, da es im Stadion noch einmal anders ist. Ich denke, dass einige in den ersten Minuten schon davon beeindruckt sein werden, danach müssen wir uns aber auf das Wesentliche konzentrieren. Die Kulisse können wir dann nachher noch Revue passieren lassen."

Bei Schaaf ruft der Gedanke an eine große Kulisse direkt die Erinnerung an die Aufstiegsspiele zurück ins Gedächtnis. "In der Relegation konnten wir die Kulisse in positive Energie umwandeln, wir sind damit gut umgegangen und konnten noch ein paar Prozentpunkte mehr geben. Ich weiß allerdings nicht, wie es ist, wenn wir mal 0:1 hinten liegen und das ganze Stadion gegen uns ist. Für solche Spiele sind wir jedoch Fußballer, je mehr Zuschauer kommen, desto besser. Wenn ein Spieler hofft, dass nur wenige Zuschauer kommen, dann kann er gleich daheim bleiben und den Torgranate-Liveticker verfolgen."

Der mögliche Heimvorteil:

Könnte der Heimvorteil für die Borussen möglicherweise der entscheidende Faktor sein? "Ich denke schon, dass es ein Vorteil sein kann, dass wir daheim spielen und unsere Fans im Rücken haben. Wir kennen das Stadion und spielen sehr gerne dort, Lehnerz kennt es dagegen nicht, auf unserem großen Platz zu spielen", so Jaksch.

"Henry Lesser sagt auch immer, dass das der größte Platz der Region ist", sagt Schaaf, fügt jedoch an. "Das ist für uns aber kein Nachteil, unsere Offensive wird sich darüber freuen. Ich glaube auch nicht, dass der Heimvorteil entscheidend ist, schließlich waren wir in der vergangenen Saison die beste Auswärtsmannschaft. Ich will Borussia nicht die Tradition absprechen, ich glaube aber auch, dass wir durch die Relegation einen ganz guten Zuspruch aus der Region erhalten haben. Deswegen denke ich nicht, dass das ganze Stadion für Borussia sein wird."

Fazit:

Mark Jaksch: "Am ersten Spieltag weiß noch keine Mannschaft, wo sie steht, auch wir oder Lehnerz nicht. Ich sehe uns aber gut gerüstet. Es ist unser erstes Hessenliga-Spiel seit einiger Zeit, wir freuen uns unheimlich darauf. Einen besseren Start als ein Heimspiel gegen Lehnerz hätte es kaum geben können, dazu gibt es wohl nichts schöneres, als daheim vor vielen Zuschauern zu spielen. Bei uns sind alle davon überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen können."

Patrick Schaaf: "Wir freuen uns jetzt einfach auf das Spiel und fühlen uns gut vorbereitet. Wir haben Respekt vor Borussia, mit den Verstärkungen sind sie kein normaler Aufsteiger. Wenn wir allerdings 100 Prozent geben, haben wir eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen, ansonsten wird es schwer. Wenn wir alles in die Waagschale werfen können, denke ich, dass wir 3:1 gewinnen werden."

Autor: Steffen Kollmann

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