Hessenliga-Analyse
Zweites schwierigeres Jahr soll bewältigt werden
Hessenliga: FV Bad Vilbel glaubt an Klassenerhalt
Adnan Alik (rechts) und Bad Vilbel holten bei der SG Barockstadt einen Punkt, nachdem Andre Fließ in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte. Foto: Charlie Rolff
So lief die bisherige Runde:
Die erste Hessenliga-Saison konnte Bad Vilbel ohne Probleme auf einem Mittelfeldplatz beenden. Rang zehn war das Resultat einer soliden Saison, in der sich das Team von Trainer Amir Mustafic weitestgehend aus dem Abstiegskampf heraushalten konnte. Bedenkt man die überschaubaren finanziellen Mittel am Niddasportfeld, war der sichere Klassenerhalt höher zu bewerten als die Meisterschaft der Saison 2017/18 in der Verbandsliga Süd. In der Sommerpause musste jedoch ein personeller Umbruch vollzogen werden, der teilweise von Mustafic und seinem Klubchef Willi Eckhardt so gewollt war.
Nicht weniger als 13 Spieler des letztjährigen Kaders verabschiedeten sich, lediglich elf blieben. 18 neue Akteure mussten integriert werden, wobei es sich bei Zino Zampach (Auslandsaufenthalt in den USA) sowie Davor Babic und Ernad Dananovic um Rückkehrer handelte, die eine Saison beim Frankfurter Verbandsligisten FFV Sportfreunde 04 verbracht hatten. Die Saison begann mit einer 2:3-Heimniederlage gegen Regionalliga-Absteiger SC Hessen Dreieich, zwei Tage später strich der FV im Kreispokal beim Gruppenligisten SV Gronau mit einer peinlichen 1:2-Schlappe die Segel.
Während Bad Vilbel in der ersten Saisonphase auswärts konstant punktete und in den ersten sechs Away-Games ungeschlagen blieb - neben dem 3:3 beim SV Steinbach auch 1:1 beim damaligen Tabellenführer SG Barockstadt - lief es vor heimischer Kulisse abgesehen vom 4:0 gegen Aufsteiger Dietkirchen alles andere als rund. Außer dem einen Heimsieg gab es noch das 0:0 gegen Hanau 93, die restlichen sechs Heimpartien gingen verloren. Ausgerechnet der SV Neuhof durchbrach am 13. Oktober den Auswärtsnimbus der Vilbeler und besiegte die Grün-Weißen nach 0:2-Rückstand mit 3:2.
Zwischendurch geriet der FV nach zehn Spielen ohne Sieg an den Rand der Abstiegszone. Siege in Waldgirmes (2:1) und beim Kreis-Rivalen Türk Gücü Friedberg (4:0) sorgten für Aufatmen, ehe die Mustafic-Schützlinge beim KSV Hessen Kassel mit 1:6 unter die Räder kamen - nach 20 Minuten hatte es schon 0:4 gestanden.
So haben die Neuzugänge eingeschlagen:
Offensivspieler Farid Affo gehörte auf Anhieb zum Stammpersonal und markierte vier Tore in 19 Spielen. Der 27-Jährige aus dem Benin verbrachte zuvor vier Jahre in Niedersachsen beim Goslarer SC und offerierte vor allem aufgrund seiner Ballgewandtheit spielerische Glanzpunkte. Davor Babic fügte sich an alter Wirkungsstätte schnell wieder in seine Rolle in der Abwehrkette ein.
Die beiden Japaner Hiroto Tochihara und Misaki Saso bestachen durch Fleiß und Einsatz, auch sie gehörten überwiegend zur Stammformation. Zino Zampach kam zwar auf 13 Einsätze, der 25-Jährige kam aber auf lediglich 48,5 Spielminuten im Schnitt. Das vom Vorjahres-Absteiger Spvgg. 03 Neu-Isenburg geholte Duo Aljoscha Atzberger und Julian Cichutek schlug unterschiedlich ein.
Während letzterer verletzungsbedingt nur zu zwei Kurzeinsätzen kam, spielte Atzberger immerhin zwölfmal mit, einen Treffer konnte der wendige Stürmer aber nicht beisteuern. Nur auf knapp die Hälfte der möglichen Spiele kommen indes Ahmet Dogan, Alexandr Railean (der rumänische Stürmer markierte immerhin drei Tore), Ernad Dananovic und Niklas Biehrer.
Der im Herbst dazugestoßene letzte Neuzugang Rodrigo David Tiago (FSV Frankfurt U19) kam noch zu vier kurzen Einsätzen und ist nach der Winterpause eine Offensivoption. Eine untergeordnete Rolle spielte Affos Bruder Moubarak mit vier Einsätzen, er kam aus der Kreisoberliga von der SG Büdingen.
In Erinnerung bleibt:
Die 4:0-Siege gegen Aufsteiger Dietkirchen sowie bei Türk Gücü Friedberg waren der Beweis dafür was möglich ist, wenn Chancenverwertung und Spielfreude stimmen. Auch beim abgeschlagenen Schlusslicht FSV Fernwald gelang ein souveräner 3:0-Erfolg. Die SG Barockstadt hatten die Vilbeler Ende September am Rande der ersten Saisonniederlage, ehe Andre Fließ in der Nachspielzeit das 1:1 gelang. Der zwischendurch in Frage gestellte Torhüter Sadra Sememy leistete sich zu Saisonbeginn einige Patzer, die er jedoch durch glänzende Paraden im Saisonverlauf ausglich. Zu einem Wechsel zum unerfahrenenen Vertreter Gian Klahr konnte sich Mustafic letztlich nicht durchringen und beließ es bei der angestammten Rangfolge. Der Zuschauerschnitt ist mit 191 Besuchern pro Partie noch ausbaufähig, allerdings stehen die lukrativen Heimspiele gegen Hessen Kassel, Stadtallendorf oder Friedberg noch aus. Ein Kuriosum bildet weiterhin die Tatsache, dass die Lautsprecherdurchsagen des Stadionsprechers aufgrund von Anwohnerklagen nur auf der Tribünenseite zur Nidda zu hören sein dürfen. Das kleine Vereinsheim beherbergt auch die Pressekonferenz nach dem Spiel, die von Pressesprecher Alexander Juli mit Mikrofon und Monitoren professionell geleitet wird.
Ausblick:
Mustafic glaubt bei drei Punkten Rückstand auf Rang 13 an den Klassenerhalt, auch wenn er nach der 0:2-Niederlage in Baunatal wohl aus Enttäuschung zu Protokoll gab: "Mit solchen Leistungen steigt man ab." Doch schon die formidable Vorstellung beim Derby-Sieg in Ober-Rosbach und dem 4:0 bei Türk Gücü Friedberg verbesserte die Laune des Coaches, der im achten Jahr seines Wirkens in der Brunnenstadt längst zu einer Institution geworden ist. Die ersten drei Spiele gegen Ginsheim, in Dietkirchen und gegen Fernwald dürften richtungsweisend sein. Dazu empfängt Vilbel neben der Barockstadt noch die beiden osthessischen Abstiegsanwärter Neuhof und Steinbach. Der erneute Klassenerhalt erscheint machbar, Bad Vilbel möchte sich wieder langfristig in Hessens Beletage etablieren, wo man in der damaligen Oberliga Hessen von 1992 bis 2007 die beste Phase der Vereinsgeschichte erlebte.

